Steuerberater Dirk Wittmeier 
 

Aktuelle News

Infothek

Zurück zur Übersicht
Recht / Zivilrecht 
Freitag, 18.11.2022

Mieterin muss sozialadäquaten Lärm der Nachbarin hinnehmen

Die Mieterin einer Wohnung muss sozialadäquaten Lärm, wie etwa Staubsaugen zur Mittagszeit oder Fenster- und Türenschließen, einer Nachbarin hinnehmen. Es besteht keine Pflicht zur Vermeidung jedes störenden Geräusches. So entschied das Amtsgericht Singen (Az. 1 C 235/21).

Die Mieterin einer Erdgeschosswohnung klagte gegen die über ihr wohnende Nachbarin auf Unterlassung von Lärmstörungen. Sie beschwerte sich darüber, dass kurz nach 7 Uhr mit Fenstern und Türen geknallt und hin und her getrampelt werde. Auch staubsauge die Nachbarin jeden Tag gegen 12 Uhr. Die Wohnung befand sich in einem sehr hellhörigen Mehrfamilienhaus ohne Trittschalldämmung.

Das Gericht wies die Klage ab. Der Klägerin stehe kein Anspruch auf Unterlassung jeglicher Ruhestörung zu. Die von ihr genannten Belästigungen seien als Bagatelle zu werten. Der Beklagten sei es erlaubt, im Rahmen des Sozialadäquaten in der von ihr bewohnten Wohnung Geräusche zu verursachen, die andere Hausbewohner als ruhestörend empfinden. Ein Wohnungsmieter dürfe mittags staubsaugen. Zwar komme es beim Schließen von Fenstern und Türen zu punktuellen Geräuschentwicklungen. Diese gehören aber zum Alltagsleben und seien hinzunehmen. Von der Beklagten könne nicht erwartet werden, sich nach Ende der Nachtruhe ganz zaghaft und behutsam schleichend zu verhalten sowie peinlichst darauf zu achten, keinen Laut von sich zu geben und mucksmäuschenstill zu sein. Auch eine Hausordnung könne nicht vorgeben, dass “jedes störende Geräusch” zu vermeiden sei. Es gebe nun mal Alltagstätigkeiten, die naturgesetzlich mit Geräuschentwicklungen verbunden seien.

Zurück zur Übersicht

Die Fachnachrichten in der Infothek werden Ihnen von der Redaktion Steuern & Recht der DATEV eG zur Verfügung gestellt.